Zur Anfahrt zu diesem Agility-Turnier gibt es nichts besonderes zu berichten. Wie immer wurde alles, was wir für so einen Turniertag brauchen (oder auch nicht brauchen), ins Auto gepackt und wir fuhren dieses Mal zu meinen Freunden Smokey und Medley, um hinter ihnen herzufahren. Am Ziel angekommen, schleppten Herrchen und Frauchen wieder unsere Sachen zum Platz und bauten unser Zelt auf. Wir ließen uns gemütlich nieder und warteten ab. Dafür, das wir nun zum ersten Mal "richtig" starteten, war Frauchen erstaunlich gelassen.
Der Jumping-Parcours wurde aufgebaut und bald schon ging Frauchen zur Parcoursbegehung. Es ging recht schnell, bis wir dann an der Reihe waren. Ich glaube, in diesem ersten Lauf sind zwei oder drei Stangen gefallen und ich hatte einen Fehler am Slalom. Frauchen war dennoch zufrieden. Frauchens Ziel ist es immer, das wir uns nicht disqualifizieren. Ich weiß aber, das wenn es doch mal passieren sollte, das darum die Welt nicht untergeht und Frauchen dann wieder ihren Lieblingsspruch anbringen würde: "Der Hund ist supergut, das weiß ich, aber ich...!"
Der Anfang des Prüfungsparcous hatte es in sich, wie Frauchen meinte, als sie von der Parcoursbegehung zurückkam. Sie überlegte noch, wie wir diesen Anfang meistern sollten, als wir auf dem Weg zum Start waren. Es gibt ja immer mehrere Möglichkeiten. Eine Möglichkeit wäre gewesen, bis hinter den Weitsprung vorzugehen, mich abzurufen und mir dann den Sprung nach links zu zeigen. Unsere Trainerin meinte aber, das wenn ich nicht sitzen bleiben würde, es in die Hose gehen würde und ich bestimmt so viel Speed haben würde, das ich auf den Diel laufen würde... Von Anfang an mitlaufen, ist bei so einer Rakete, wie ich es bin, auch gefährlich, da ich bestimmt auch auf den Diel gelaufen wäre... Nun aber genug der Theorie, ich erzähle jetzt mal besser wie wir den Parcours gemeistert haben...
Der Anfang sah so aus, das nach der ersten Hürde der Weitsprung kam und dann im 90 Grad Winkel eine weitere Hürde zu überwinden war. Nach dieser Hürde stand wieder im 90 Grad Winkel eine Hürde und dann kam die A-Wand. Frauchen setzte mich am Start ab und nachdem der Richter den Parcours freigegeben hatte zog ich meinen Kopf aus dem Halsband. Frauchen schmiß die Leine weg und trat einen Schritt zurück. Ihr Startzeichen "hopp" ließ nicht lange auf sich warten...
Ich schnellte nach vorne und sprang. Für den Weitsprung brauchte ich kein Kommando, so konnte Frauchen mich genau beobachten und gerade als ich gelandet war, sah ich aus den Augenwinkeln, das Frauchen ein Abbiegen andeutete. Sie war sehr weit hinter mir, aber so kann ich zeigen, welchen Arbeitsabstand ich habe... Das angedeutete Abbiegen veranlsste mich natürlich, die Hürde zu springen und nicht (wie ich es vorhatte) auf den Diel zu laufen. Ihre Hand schnellte nach vorne und ich verstand, das ich nicht geradeaus laufen sollte, sondern die Hürde, welche rechts von mir stand, springen sollte. Gerade als ich auf die A-Wand stürmte, hörte ich wieder "eeeehhhhhyyyy ... Tack". Als ich auf der Kontaktzone lag, kam Frauchen angehechtet...
Ihr Kommando "weiter", ließ mich im gebogenen Tunnel verschwinden. Es folgte der Diel, wo der Richter etwas im Weg stand und Frauchen nach ihrem "eeeehhhhhyyyy ... Tack" nur so gerade meine Pfoten in der Kontaktzone sah und ich weiter laufen durfte. Sie zeigte mir, das ich Hürde drei nochmals springen sollte. Geradeaus weiter folgte eine Hürde "nach draußen", Hürde Nummer zehn musste ich dann wieder "hinein" springen. Frauchen lief nicht weit genug mit bzw. blieb nicht ruhig stehen und außerdem zog mich der folgende Slalom magisch an, sodaß ich nicht genug Schwung hatte und die Stange fiel zu Boden. Frauchen trällerte "Slalom" und ohne mein Tempo merklich zu verringen fand ich den Eingang. Ich schlängelte mich schnell durch die Stangen, doch plötzlich hörte ich: "Nein, falsch, nochmal". Bald am Ende des Slaloms hatte ich eine Stange übersprungen.
Ich verstand die Welt nicht mehr, das war mir noch nie passiert... Ich war etwas aus dem Häuschen und wollte einfach die nächst beste Hürde springen, Frauchen verbot es mir und merkte dann, dass ich dabei war "durchzuknallen". Ich wuselte wild um sie herum und kläffte in den hellsten Tönen. Sie sagte mir mehrmals "Ruhig, gaaanz ruhig" (sie selber aber zitterte wie Espenlaub) und ich ging wuselnder Weise mit ihr zum Anfang des Slaloms zurück und Frauchen trällerte nochmals "Slalom".
Diesesmal kam ich ohne einen weiteren Fehler zu machen durch den Slalom und es folgten in einem Halbkreis noch zwei Hürden und die Mauer. Frauchen befand sich noch hinter der Mauer, als ich im Sacktunnel verschwand. Gerade als Frauchen an der Mauer vorbei lief, rief sie mir "Reifen" zu und ich sprang hindurch. Als ich gelandet war hörte ich "lauf, lauf" ich gab nochmal Gas und sprang die letzte Hürde. Da ich ja weiss, das ich die Geräte nur von einer Seite springen darf, drehte ich um und lief ihr im Parcours entgegen. Sie könnte manchmal echt etwas Gas geben ...
Unser "Fan-Club" (ich meine unsere Vereinskollegen) waren schwer beeindruckt: Zum einen von der (sorry) "geilen" Anfangssequenz und zum anderen, das Frauchen die Nerven behalten, um nicht zu sagen völlig cool geblieben ist und ich dadurch nicht "durchgeknallt" bin! Dabei war es völlig egal, das unsere Zeit natürlich nicht die Beste war ...
Das noch folgende Spiel starteten wir nicht. Frauchen sagt immer: Man soll aufhören, wenn´s gut war... und ich glaube mehr konnten ihre Nerven an dem Tag eh nicht vertragen. Ich suchte mir vor Ort, an einem gut riechenden Verkaufswagen, meine Belohnung in Form von getrocknetem Rindfleisch und Kopfhaut aus ...